Studie: Finanzielle Stabilität in NGOs durch nachhaltiges Handeln

Nachhaltigkeit kostet – oder zahlt sie sich langfristig aus? Diese Frage stellen sich viele gemeinnützige Organisationen, die Wirkung erzielen und gleichzeitig finanziell überleben wollen. Eine aktuelle Studie von Reshma Roy (2024) liefert dazu spannende Antworten: Sie analysiert auf Basis von 62 internationalen Fachartikeln, welche Nachhaltigkeitsstrategien von Non-Profits mit finanzieller Leistungsfähigkeit zusammenhängen.

Das Besondere: Die Studie kombiniert eine systematische Literaturübersicht mit bibliometrischer Analyse – und identifiziert sieben Forschungscluster. Fünf davon zeigen eine klare Korrelation mit besserer finanzieller Performance. Hier stellen wir sie vor – inklusive der Mechanismen, wie sich Nachhaltigkeit in finanziellen Erfolg übersetzen kann.

 

1. Sozialverantwortliches Verhalten

Organisationen, die sich klar zu sozial verantwortlichem Handeln bekennen – etwa durch faire Arbeitsbedingungen, Gleichberechtigung oder Umweltengagement – profitieren vielfach:

  1. Reputationsgewinn fördert Vertrauen bei Spender*innen und Partner*innen.
  2. Partnerschaften mit Unternehmen und staatlichen Stellen entstehen eher.
  3. Mitarbeitende und Freiwillige bleiben länger und engagierter.
  4. Kostenreduktion durch ressourcenschonende Prozesse.

 

Studien zeigen: Diese Form von strategischer Verantwortung kann direkt mit besserer finanzieller Performance korrelieren – etwa durch steigende Spenden, stabilere Einnahmen und niedrigere Betriebskosten.

 

2. Umweltfreundliches Handeln

Grüne Maßnahmen wurden lange als teure Pflicht verstanden. Heute zeigt sich:

  1. Energieeffizienz, Recycling, nachhaltige Beschaffung senken oft Betriebskosten.
  2. Umweltbewusstes Marketing schafft Differenzierung und stärkt die Marke.
  3. Fördermittel sind häufig an Umweltziele geknüpft.

 

Allerdings: Die empirischen Studien zeigen gemischte Ergebnisse. In manchen Fällen steigen durch Umweltinvestitionen zunächst die Kosten. In anderen führen sie zu langfristigen Wettbewerbsvorteilen. Die Studie spricht daher nicht von kausalen Effekten, sondern betont eine mögliche positive Verbindung.

 

3. Stakeholder-Engagement und Kooperation

NGOs, die Stakeholder aktiv einbinden – sei es durch transparente Kommunikation, partizipative Entscheidungsprozesse oder echte Partnerschaften – profitieren auf mehreren Ebenen:

  1. Vertrauen bei Fördernden und Öffentlichkeit steigt.
  2. Zugang zu Netzwerken und Ressourcen wird erleichtert.
  3. Innovationen entstehen durch Perspektivenvielfalt.
  4. Resilienz bei Krisen wächst.

 

Die Studie zeigt deutlich: Organisationen mit hohem Stakeholder-Engagement sind strategisch besser aufgestellt und erreichen tendenziell eine stabilere finanzielle Grundlage.

 

4. Nachhaltige Berichtspraxis

Transparente Berichterstattung über finanzielle Mittel, soziale Wirkung und Nachhaltigkeitsleistungen zahlt sich aus:

  1. Spender*innen und Partner*innen fordern zunehmend glaubwürdige Berichte.
  2. Staatliche Förderung ist oft an Reportings gebunden.
  3. Interne Steuerung wird durch klare KPIs verbessert.

 

Die Studie verweist auf Untersuchungen, die eine Korrelation zwischen guter Berichterstattung und erhöhter Finanzierung belegen – etwa durch erhöhte Glaubwürdigkeit oder gezielteres Fundraising. Auch hier bleibt offen, ob ein kausaler Zusammenhang besteht – die Ergebnisse deuten aber stark darauf hin.

5. Soziale Innovation

Organisationen, die Innovation gezielt einsetzen – sei es in Angeboten, Prozessen oder Geschäftsmodellen – können sich langfristig erfolgreicher am Markt behaupten:

  1. Neue Finanzierungsquellen durch innovative Leistungen.
  2. Höhere Nachfrage nach innovativen Lösungen.
  3. Wettbewerbsvorteile gegenüber „klassischen“ Anbietern.
  4. Wirkungstreue Skalierung durch systemische Veränderungen.

 

Studien innerhalb des Clusters zeigen, dass organisatorische Innovation positiv mit Kennzahlen wie Einnahmen und Vermögensentwicklung korreliert. In einzelnen Fällen ist auch von kausalen Effekten auszugehen – z. B. bei Prozessinnovationen zur Effizienzsteigerung.

 

Wichtig: Korrelation ≠ Kausalität

Die Studie betont ausdrücklich: Die beschriebenen Zusammenhänge sind Korrelationen, keine gesicherten Ursachen-Wirkung-Beziehungen. Das bedeutet:

Organisationen mit nachhaltigen Praktiken haben tendenziell auch bessere Finanzen – aber es ist nicht eindeutig nachgewiesen, dass die Maßnahmen direkt der Grund für den finanziellen Erfolg sind.

Nur in einigen Fällen – etwa bei innovativen Einnahmemodellen oder Prozessverbesserungen – lassen sich plausible Wirkmechanismen rekonstruieren, die auf kausale Effekte hindeuten.

 

Nachhaltigkeit lohnt sich – oft auch finanziell

Auch wenn nicht jeder Zusammenhang eindeutig kausal belegt ist: Die Studienlage spricht dafür, dass sich Investitionen in Nachhaltigkeit für NGOs nicht nur ethisch und gesellschaftlich, sondern oft auch finanziell auszahlen.

Für Non-Profits bedeutet das: Wer strategisch plant, Wirkung sauber dokumentiert, Verantwortung übernimmt und neue Ideen entwickelt, verbessert die Chancen auf stabile Finanzierung und langfristige Wirkung.

 

Quelle: Roy, R. (2024). Nonprofit sustainability and financial performance: A bibliometric and systematic literature review. Journal of Management and Entrepreneurship, 18(4), 107–125.